STAHL GLAS STROM
wer
was
konzept
felher
weiterweiter
konzept
brockhaus:
fehler, psychologie: eine unbeabsichtigte falschleistung, deren unrichtigkeit bedingt ist durch ein versagen der psychischen funktionen:
aufmerksamkeit, gedächtnis, denken


deutsches institut für normung (din):
ein merkmalswert, der die vorgegebenen forderungen nicht erfüllt


die bedeutung von fehlern ist meistens recht schnell und eindeutig geklärt. entweder verweist der fehler auf das problem, das durch diesen verweis nun gelöst werden kann, oder man lernt dazu und macht es das nächste mal besser .
schon in diesem ausspruch: das nächste mal besser machen, wird eine grundlegende problematik sicht- bzw. hörbar.
in meiner künstlerische arbeit schließe ich von vorn herein kategorien wie: richtig; falsch; besser; schlechter etc. aus. den schaffensprozess sehe ich als versuch, von dem ich kein ergebnis erwarte.

bei dieser arbeit ging ich von einem konzept aus, das
vorerst nur als theorie bestand hatte. ich ließ mich
von den materialien, stahl, glas und strom leiten und
unterwarf meine entscheidungen den möglichkeiten und einschränkungen, die diese materialien bieten.
aus der diskrepanz zwischen konzept und beschreibung lassen sich bereits einige ergebnisse dieser arbeitsweise ablesen. im folgenden will ich einige diese fehler näher beleuchten:

die technischen unwägbarkeiten, an erster stelle sei meine experimentelle herangehensweise und mein mangeldes fachwissen erwähnt, liefern großes fehlerpotential.
die konstruktion mit ihren komponenten: mechanisch (stahl schweißen etc.) und elektronisch (motoren, steuerung der elektromagnete etc.), brachte neue variablen in das konzept. die stromversorgung der magneten, die über ein relais geschaltet werden, beeinflusst zum beispiel die polung einer der motoren. dieser ändert, sobald strom durch die spule des magneten fließt, seine drehrichtung.

die magneten liefern ebenfalls an anderer stelle unberechenbare momente: wenn sie aktiv sind, sollen sie
laut konzept die vorbeirollende kugel festhalten, und stille produzieren. da ich zum zeitpunkt der konzeption noch
nichts über die beschaffenheit und funktionsweise von elektromagneten wusste, war mir nicht bewusst, dass der energiebedarf und die produktionskosten im verhältnis
zu dessen größe (durchmesser) wachsen. ich plante, elektromagneten, die im durchmesser der öffnung des glaszylinders entsprechen, zu verwenden. solche gibt es aber nur an speziellen stellen zu hohen preisen zu erwerben.
also produzierte ich die magneten selbst; aufgrund des verhältnisses von energiebedarf zu durchschnitt allerdings nur entsprechend kleine. da auch die feldstärke bzw. haltekraft der magneten deutlich kleiner war, als erwartet, ist die unbedingte kausalität von:
- magnet aktiv -> kugel verharrt - nicht gegeben.
in dieser art gab es noch mehr überraschungen während
der produktionsphase, denen ich an dieser stelle aber keine weitere aufmerksam schenken möchte. viel interessanter ist die frage, wie diese vermeintlichen fehler im zusammenhang mit der installation wirken.

die physische manifestierung einer komposition von struktur, verändert durch die intermediale transformation selbst schon ihre struktur, und damit die komposition. an dieser veränderung bin ich interessiert. in der arbeit geht es um rhythmus auf verschiedenen ebenen. neben dem klang sind auch die bewegungen, die anordnung der apparate im raum, und das spiel aus licht und schatten rhythmisch strukturiert. diese verschiednen rhythmen stehen in einem verhältnis und bedingen sich gegenseitig. durch die beschriebenen, unüberschaubaren fehler spielt die, ohnehin schon komplexe rhythmusmaschinerie, noch komplexere rhythmen.
die fehler oder, um es in den worten der din zu beschreiben: merkmalswerte, die die vorgegebenen forderungen nicht erfüllen, empfinde ich als bereicherung, sowohl des werkes, als auch meines gesamten schaffens. außerdem ergibt sich daraus der erfreuliche nebeneffekt, dass der besucher zu jeder zeit einen anderen rhythmus wahrnimmt.
wie schon an anderer stelle beschrieben, bin ich an den übergängen von vorhersehbarkeit und unvorhersebarkeit interessiert. die fehler, die zum einen zufällig, zum anderen von mir bewusst und unbewusst produziert werden, eröffnen neue perspektiven und bereichern zukuenftige schaffensprozesse. soviel bis hierhin.

Florian Zeeh
1990 im Süden Deutschlands geboren, wächst er heimatlos zwischen äußeren Ansprüchen und innerem Zweifel auf. Heute findet er sich in Düsseldorf am Institut Fuer Musik Und Medien der Robert - Schumann - Hochschule wieder. Sein Schwerpunkt dort liegt vor allem in der Musikinformatik, die es ihm ermöglicht, sich mit einem weiten Blickwinkel der Konzeption und Komposition von Strukturen zu befassen.
Er interessiert sich dafür, wie sich der Transfer kompositorischer Konzepte auf deren Ästhetik ausüben.
Von außen hört man metallisch-gläsernes gecklacker. Betritt man den Raum, steht man in einem engen Korridor
in dem die einzige Lichtquelle eine knittrige, mit silbriger Folie ummantelte Glühbirne ist. Jene hängt von der Decke an einem schwarzen Kabel herab und mündet in einem Stahlwürfel, in dem sich eine Scheibe um sich selbst
dreht. Der Stahlwürfel ist durch 12 Vierkantrohre an den Außenseiten beschrieben und an der linken Wand auf Brusthöhe befestigt. An der Scheibe, die in einen inneren und einen äußeren Ring aufgeteilt ist, reiben zwei tentakelartige Kupfergeflechte, die aus zwei, sich gegenüberliegenden Kanten des Stahlwürfels sprießen. In der Mitte der Scheibe befindet sich ein Stahlrohr, das sich mit der Scheibe dreht und wirkt, als stecke es in der dahinterliegenden Wand. Geht man den schmalen Korridor weiter, trifft man schnell auf einen Durchgang auf der linken Seite. Schreitet man hindurch, betritt man einen dunklen Raum. Auch dieser ist nur spärlich ausgeleuchtet und die einzigen Lichtquellen sind drei Glühbirnen, in ihrer Gestalt ganz der ersten im Korridor gleichend. Man erkennt auf Rückseite der Wand, die im Korridor den Stahlwürfel hielt, einen, sich drehenden Glaszylinder. Er Schwebt vor der Wand, in der Mitte von einem metallenen Gürtel gehalten, der sich auf der Rückseite in ein Stahlrohr verjüngt und in der Wand verschwindet. Im inneren des Glaszylinders befindet sich eine fingergroße silbrige Kugel, die durch die Rotation des Zylinders bewegt, eifrig im zusammentreffen mit dem Glas scharfe Geräusche erzeugt. Auf der der Kopfseite des Zylinders trifft die Metallkugel auf einen Glasboden. Ihm gegenüber begegnet die Kugel nach einer halben Drehung des Zylinders einem, aus Stahl gefertigten, flachen Verschluss. Die leicht konisch geformte Platte besitzt am Mittelpunkt eine runde Öffnung, in die passgenau ein weiteres Stück Metall eingelassen ist. Nach einer weiteren halben Drehung des Zylinders offenbart sich auf dem stählernen Verschluss ein, mit Kupferdraht umwickelter Rundstahl. An den zwei Enden des Kupferdrahtes ist je eine schwarze und eine rote Litze befestigt, die sich auf der Rückseite des Zylinders hinab zum Stahlrohr winden und dort in einem kleinen Loch im Inneren des Rohres verschwinden. Dreht man sich um, steht man zwei, dem, im Korridor ähnelnden Stahlwürfeln gegenüber. Diese sind, statt an der Wand befestigt zu sein, mit vier eigenen, stählernen Füßen ausgestattet. Auch hier beleuchtet eine Glühbirne die sich drehende Scheibe. Jedoch verschwindet bei diesen Exemplaren das Stahlrohr in der Mitte der Scheiben nicht nach hinten, sondern kommt einem entgegen. Dort an der vorderen Spitze mündet das Rohr in dem metallenen Gürtel, der die beschriebenen Glaszylinder hält. Die Glaszylinder, die Apparate und die Vorgänge gleichen sich in allem, bis auf die Rotationsgeschwindigkeit.
Alle drei Zylinder drehen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, wobei durch die Stahlkugeln ein permutierender Rhythmus im Klang entsteht. Zu weiteren Rhythmischen Dimensionen verhelfen die, mit Kupferdraht umwickelten Rundstähle. Diese erzeugen an zufälligen Zeitpunkten ein elektromagnetisches Feld, von dem unter Umständen die Stahlkugeln festgehalten werden, und Stille entsteht. Wir sprechen also hier von einem Raum, in dem Geräusche und Stille Produziert werden. Es entsteht ein Rhythmus, der sich unter dem scharfen Klang der Begegnung von Stahl und Glas befindet.